Hohe Wand Kirche – Engelbert-Kirche

Die Kirche auf der Hohen Wand, im Volksmund als Hohe-Wand-Kirche oder Engelbert-Kirche bekannt, hat eine sehr spannende, bis in heutige Zeit herausfordernde Geschichte und sie gehört zur Pfarrgemeinde Dreistetten.

Zur Zeit wird in der Engelbert-Kirche in unregelmäßigen Abständen die Hl. Messe gefeiert, die Termine werden durch Aushang und auf dieser Website bekanntgegeben.

Weiters wird die Kirche auch, aufgrund ihrer besonderen Lage, gerne für Hochzeiten genutzt.

Hlg. Engelbert

Er war Erzbischof von Köln und hatte wegen seiner Eigenmächtigkeit und Strenge so manches Problem mit seinem Domkapitel, das ihn exkommunizieren ließ. Sein Einsatz galt dem Recht der einfachen Bevölkerung und dem Frieden. Am 7. November 1225 wurde er von einem Verwandten ermordet.

Im Freien vor der Kirche steht ein Steinbild von ihm.

Geschichte der Kirche

Die Geschichte der Kirche ist wechselhaft und bis in heutige Zeit sehr belastet. Vor allem durch ihre Gründung hat man sie in der Nähe politischer Gruppierungen platziert, die dem ursprünglichen Sinn und Wunsch derer, die hier eine Kirche errichten wollten, nicht unbedingt entsprochen haben. Im Folgenden ein kurzer Abriss und ein paar Hintergründe und die Einladung, die Kirche zu besuchen und sich selbst wertfrei eine Meinung zu bilden:

Dr. Engelbert Dollfuß besuchte die Hohe Wand oft und gern. Als Kammeramtsdirektor hat er unter anderem auch die hiesige Alpenweidegenossenschaft gegründet. In seine Amtszeit als Landwirtschaftsminister fiel der Bau der Bergstraße auf die Hohe Wand, was für einen Anstieg der Besucher und somit für einen wirtschaftlichen Aufschwung sorgte. Auf Grund des Baus der Straße wurde ihm von der Wandgemeinde das Ehrenbürgerrecht verliehen.

Alois Hanig, damaliger zuständige Seelsorger und Pfarrer von Dreistetten, wollte für die nun zahlreichen Touristen eine Gelegenheit schaffen, die Sonntagsmesse mitzufeiern. So entstand der Plan, eine kleine Kapelle zu erbauen. Die Idee fand bei den Bewohnern und Besuchern der Hohen Wand zahlreichen Zuspruch. Dr. Dollfuß, nun bereits Bundeskanzler, erfuhr davon und veranlasste seine Frau das Protektorat über den Neubau der Kapelle zu übernehmen. Zudem erwarb er in der Nähe ein Wochenendhaus und hatte vor, sich hier eine zweite Heimat zu schaffen.

Wenige Tage vor der Grundsteinlegung, die am 5. August 1934 stattfand, wurde Dr. Dollfuß ermordet. Seine Witwe äußerte den Wunsch, dass die Kirche als Mahnzeichen und christliche Gedächtnisstätte für ihren Mann errichtet würde. Die politische Bewegung „Vaterländische Front“ griff diesen Wunsch auf und sorgte für die Errichtung der Kirche, die entgegen den ursprünglichen Plänen und Intentionen deutlich größer geriet als geplant. So entstand eine Art „religiöses Nationalheiligtum“, was auch zugleich der Grundstein für eine herausfordernde Charakteristik der Kirche, nicht nur im baulichen Sinne, ist. Die Kirche und die „Dr. Dollfuß Gedächtnisstätte“ wurden am 21. Juli 1935 durch Kardinal Theodor Innitzer eingeweiht.

Die Kirche ist nach den Plänen des Wiener Architekten Prof. Kramreiter gebaut. Ein von Max Frey geschaffenes Freskogemälde in der Gedächtnisstätte wurde im Zuge der nationalsozialistischen Herrschaft zerstört und ist nicht mehr existent.

Mit dem Einmarsch Adolf Hitlers durfte in der, im Volksmund als „Engelbert-Kirche“ benannten Kirche keine Messe mehr gelesen werden und sie wurde versperrt. Am 15. Juli 1940 wurden dem damals zuständigen Pfarrer Franz Brosig die Schlüssel zur Kirche unter der Bedingung übergeben, dass die Märtyrerkrone vom Turmkreuz abmontiert werde, weiters auf der großen Glocke das Dollfußrelief und die Inschrift „… dem Märtyrerkanzler„, sowie auf der kleinen Glocke das Christuszeichen entfernt werde.

Nach einem Gottesdienst, der von der Gestapo als Dollfuß-Gedenkmesse gedeutet wurde, wurde die Kirche neuerlich gesperrt. Man vermutet, dass die Glocken 1943 abmoniert und eingeschmolzen wurden.

Nach dem Einmarsch der allierten Truppen 1945 wurde die desolate Kirche als Pferdestall genutzt. Nach langwierigen Verhandlungen, die von Pfarrer Brosig und dem Pfarrkirchenrat der Hohen Wand Franz Cerny angeleitet wurden, konnten in der Engelbertkirche wieder Messen gelesen werden. Ab 1948 wurden zunächst unregelmäßig, später regelmäßig Gottesdienste gefeiert. Am 22. Juli 1956 fand die Weihe dreier neuer, von der Familie Homann-Herimberg gestifteten, Glocken statt.

Renovierung 1989

In den Zeiten nach dem Weltkrieg wurden immer wieder Ausbesserungen und kleinere Renovierungsarbeiten vorgenommen, was nicht immer einfach war. Zum Beispiel war durch den Glasmangel in der Nachkriegszeit die Reparatur des großen Rundfensters sehr schwierig.

Ende 1988 war dann klar, dass es eine Gesamtrenovierung braucht. Die Witterung und die Zeit  hatten deutliche Spuren hinterlassen. Der hintere Kirchboden war durch Setzungen und Wassereinwirkungen eingebrochen. Auch gab es bis dato keinen Volksaltar oder Ambo. Mit Baumeister Rinder von der Erzdiözese Wien und dem Bundesdenkmalamt wurde ein erster Entwurf erarbeitet. Mangels Geld wurde eine eine große „Schnorraktion“ gestartet: Diözese, Land Niederösterreich, Gemeinde Hohe Wand, Pfarre Dreistetten, diverse Banken und viele, viele kleine Spender haben schlussendlich das notwendige Geld aufgebracht.

Der alte, sehr mächtige Krammereiteraltar wurde auf ein Drittel in der Tiefe gekürzt, womit Platz für einen Volksaltar geschaffen wurde. Ambo und Sessio (Priestersitz) konnten gleichfalls neu errichtet werden. Am 16. September wurde der neue Volksaltar von Weihbischof Florian Kuntner konsekriert.

Aktuelles

2019 löste Frau Inge Scheibenreif unsere langjährige Mesnerin Frau Czerny-Lippert ab und sorgt seither für eine Revitalisierung der Kirche. So fand erstmals nach langen Jahren auch wieder eine Christmette in der Hohe-Wand-Kirche statt.

Christmette 2019, v.l.n.r.: Robert Schara, Inge Scheibenreif, Kaplan Pater Georg Winter, Peter Kasenbacher, Agnes Kasenbacher